Der Förderpreis Wildtierfreundliche Landwirtschaft 2017 geht nach Ostwestfalen

 

Mit dem Förderpreis „Wildtierfreundliche Landwirtschaft“ der Stiftung natur+mensch ist in diesem Jahr der Landwirt Richard Schulte ausgezeichnet worden.

Gestiftet wurde der mit 5.000 Euro dotierte Preis von der Agrarboden GmbH & Co. KG.

„Alle Landnutzer sind dazu aufgefordert sich gemeinsam für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft einzusetzen“, führt Georg Graf Kerssenbrock-Praschma, Vorsitzender der Stiftung natur+mensch aus. „Auf dem Hof Schulte wird beispielhaft umgesetzt, wie wir die Wild- und Insektenbestände wieder erhöhen und gleichzeitig eine wirtschaftsfähige Landwirtschaft umsetzen können. Die Honorierung der Kombination aus Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd ist das Ziel des Förderpreises der Stiftung natur+mensch.“

Bild Jury Homepage

Von links nach rechts: Robert Vornholt, Georg Graf von Kerssenbrock-Praschma, Richard Schulte, Dr. Franz-Ferdinand Gröblinghoff 

Der Geflügelhof Schulte wurde nach einem sechsmonatigen Bewerbungsverfahren von einer unabhängigen Fachjury aus zahlreichen bundesweiten Bewerbungen ausgewählt und Richard Schulte aufgrund seines innovativen Bewirtschaftungskonzeptes einstimmig als wildtierfreundlicher Landwirt ausgezeichnet.

Der Geflügelhof Schulte liegt in Delbrück-Westenholz in Nordrhein-Westfalen. Ihm angeschlossen sind 200 ha Landwirtschaft und eine 500 KW Biogasanlage, die zum überwiegenden Teil mit hofeigenem Wirtschaftsdünger betrieben wird.

Richard Schulte ist langjähriger passionierter Jäger und auch Jagdpächter. Mit viel Engagement und Leidenschaft betreut er eine Fläche von über 800 ha und widmet sich dabei insbesondere der wildtierfreundlichen Gestaltung seines klassischen Niederwildreviers.

Eine groß angelegte Flurbereinigung im Delbrücker Land in den 1970er Jahren führte dazu, dass bis zu 10 ha große, rechteckige Schläge entstanden, die zwar die konventionelle Landwirtschaft vereinfachten, jedoch einen großer Nachteil für die Biodiversität darstellten. Durch die Rodung von Hecken und Ackerrandstreifen wurde den Wildtieren Deckung, Schutz und somit wichtiger Lebensraum entzogen.

Reviergestaltung

Um den Tieren bessere Lebensbedingungen zu bereiten ging Schulte dazu über an allen von ihm bewirtschafteten Ackerflächen aktiv Wildlebensräume zu schaffen, die für gute Brut- und Aufzuchtmöglichkeiten im Frühjahr und Sommer sowie für ausreichend Rückzugsmöglichkeiten im Winter sorgen. So sind über die Jahre mehr als 35 Flächen entstanden, niemals mehr als 5 ha Anbaufläche je Frucht, die oftmals noch in verschiedene wildtierfreundliche Maßnahmen unterteilt sind. So werden beispielsweise die größeren Schläge in mehrere Anbauflächen unterteilt, wobei besonderer Wert auf eine ausgewogene und vielfältige Fruchtfolgegestaltung gelegt wird. Hierbei wird grundsätzlich auf den Anbau von Ganzpflanzensilage, wie zum Beispiel Schnittroggen im Frühjahr oder als Zweitfrucht im Sommer verzichtet, um die Wildtiere in ihren Brut- und Setzzeiten nicht zu gefährden.

Energie aus Wildpflanzen

Landwirt Schulte betreibt wie schon erwähnt eine Biogasanlage, mit deren Abwärme vor allem die Geflügelställe und betrieblichen Gebäude geheizt und die Getreidetrocknung durchgeführt wird. Dazu baut er seit ein paar Jahren auf 17 ha Fläche „Energie aus Wildpflanzen“ an - eine innovative Alternative zu den sonst üblichen Maismonokulturen. Mehrjährige Mischungen aus über 20 verschiedenen aufeinander abgestimmten Wildpflanzen, bieten den Wildtieren nicht nur im Sommer und Winter Nahrung und Deckung, sondern werten mit ihrer farbenfrohen Blütenpracht das Landschaftsbild auf und bieten darüber hinaus diversen Insekten ein großes Nahrungsangebot und Lebensraum. Um die Gefahr von Mähverlusten bei Bodenbrütern und Jungtieren, wie beispielsweise Junghasen und Rehkitzen zu vermeiden, wird stets erst ab Ende Juli geerntet. Ökologische und ökonomische Ziele schließen sich bei dieser Art der Bewirtschaftung nicht aus. Die Zusammenstellung der Wildpflanzenmischungen aus hauptsächlich mehrjährigen Arten senkt den Bearbeitungsaufwand erheblich, wobei die Arten derart aufeinander abgestimmt sind, dass auf chemische Pflanzenschutzmittel weitgehend verzichtet werden kann. Darüber hinaus wird durch diese Dauerkultur die Humusbilanz verbessert, Bodenerosion vermieden und die Nährstoffauswaschung weitgehend minimiert. Somit stellt der Anbau und die Vergärung von Wildpflanzen in der Biogasanlage einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Biodiversität dar. Der erneute Aufwuchs bietet wiederum eine hervorragende Herbst- und Winterdeckung für das Niederwild.

Bild Energie aus Wildpflanzen Homepage

Blühstreifen

Unter anderem zur Aufteilung von Ackerschlägen werden in Schultes Revier „Blühstreifen“, wiederum mit mehrjährigen und blütenreichen Pflanzenarten angelegt, die Insekten, Vögeln und Niederwild einen Lebensraum bieten. Die Saatsstärke wird dabei bewusst gering gewählt, um dem Wild möglichst viel Bewegungsraum zu ermöglichen. Alle 2-3 Jahre werden diese Blühstreifen, die jeweils ca. 12m breit sind, neu angesät, da die Flächen sonst vergrasen würden.

Tipps aus der Praxis für die Praxis

Topinambur

Richard Schultes erste Bemühungen zur Verbesserung des Wildlebensraumes bestanden in der Anpflanzung von Topinambur. Die Knollen der Pflanze werden gerne von Rehwild, aber auch von Hase, Fasan und Kaninchen angenommen. Die Pflanze selber bietet Schutz und Lebensraum, ist dabei jedoch sehr windempfindlich und verunkrautet ohne Bodenbearbeitung sehr stark, bzw. bildet sich zurück. Derzeit werden noch 1,5 ha Topinambur angebaut, welcher jedoch durch den intensiven Arbeitsaufwand bei der Pflege dieser Kulturpflanze sukzessive durch Miscanthus ersetzt wird.

Miscanthus

Miscanthus, ein mehrjähriges Gras, das bis zu 3m hoch werden kann, eignet sich ab dem zweiten Standjahr sehr gut als Rückzugsmöglichkeit für Niederwild und wird dazu im Revier bevorzugt an dünnen Erlenhecken, die alleine wenig Deckung bieten, in einer Breite von 12 m angepflanzt. Die dadurch generierte „Heckenersatzfunktion“ sorgt ganzjährig für Lebensraum, wobei seine Eigenschaft „oben dicht und unten licht“ zu sein in besonderem Maße den dort schutzsuchenden Wildtieren zum Vorteil gereicht. Da Miscanthus erst im April geerntet wird und schneeunempfindlich ist, bietet er gerade in der Zeit von Januar bis März gute Deckung. In Ergänzung dessen machen die positiven Eigenschaften als Rohstoff- und Energielieferant das Gras auch für die Landwirtschaft interessant.

Bejagung

Ein besonderes Augenmerk wird in Schultes Revier auf die Prädatorenbejagung gelegt. Ein flächendeckend über das ganze Revier verteiltes Netz von Lebendfangfallen, wie Betonrohrfallen und Kastenfallen, stellt eine effiziente Reduzierung des Bestandes von Fuchs, Marder, Waschbär und Iltis sicher. Die gleichzeitige Bejagung von Rabenkrähe und Elster mit Büchse und Flinte, durch Lock- und Ansitzjagd komplettieren die jagdlichen Bemühungen zum Schutze des Niederwildes.

Diese Arbeit zahlt sich aus! 2017 wurden im Revier 60 Kiebitz-Brutpaare gezählt. Des Weiteren findet man einen kleinen Bestand an Feldlerchen, Steinkäuzen und Rebhühnern. Hasen und Fasane sind noch überall anzutreffen. Eine Feldhasenzählung in den Revieren Delbrück 17 und 18 vom 4. November 2017 ergab die stattliche Anzahl von 741 Feldhasen.

 

Grußwort zum Aufgang der Bockjagd

 s03 karte reh stiftung naturmensch 2010Das neue Jagdjahr ist gerade einmal einen Monat alt und schon steht der erste jagdliche Höhepunkt vor der Tür, der bei so manchem passionierten Waidmann den Puls und die damit verbundene Vorfreude in die Höhe schnellen lässt. Der 1. Mai ist da - die Bockjagd beginnt. Endlich! Vorbei ist die Zeit des Wartens, vorbei die kalten und langen Nächte. Es darf wieder Beute gemacht werden. Rehrücken oder -Keule, von den Filets ganz zu schweigen, sind nicht nur gern gesehene Gäste im Herbst und zur Weihnachtszeit, sondern passen auch vorzüglich zu Spargel und fügen sich perfekt in die frische und leichte Frühlingsküche ein. Verantwortungsvolle Jagd mit Augenmaß gehört zum Kreislauf des Lebens, der in keiner anderen Zeit des Jahres so präsent zu sein scheint wie jetzt im Frühling, einfach dazu. Das frische Grün allerorten, die Blüten der Bäume, das Zwitschern und das geschäftige Treiben der Vögel, gestreifte Frischlinge, die ersten Kitze...

Es ist eine schöne Zeit, doch darf man bei aller Freude darüber die Herausforderungen und Probleme, die ein Leben mit und für die Natur mit sich bringen, nicht vergessen. Die Afrikanische Schweinepest hat Ungarn erreicht, eine erste Wölfin wurde im Westerwald bestätigt und die Niederwildbesätze treiben uns schon viele Jahre die Sorgenfalten auf die Stirn. Drei Themen von vielen, die geeigneter Maßnahmen und Engagement dringend bedürfen. Lassen Sie uns auch im "neuen Jahr" gemeinsam für den Erhalt und die Verbesserung unserer Natur kämpfen. Nur gemeinsam sind wir stark und mit Ihrer Unterstützung tragen wir als Stiftung natur+mensch aktiv dazu bei, dass unsere Liebe für die Natur und unser Wild, nicht zuletzt durch unsere Projekte, tief in die Gesellschaft hineingetragen wird. Packen wir es an! Gemeinsam werden wir es schaffen!

 Allen jagenden Freunden und Förderern der Stiftung natur+mensch wünschen wir für die Bockjagd und auch für den Rest des Jahres von Herzen viel Waidmannsheil und allen anderen viel Freude draußen in der Natur!

Ihre Stiftung natur+mensch

Natur ist nicht grün, Natur ist aktiv

Wir von der Jägerstiftung natur+mensch haben uns dem Schutz der heimischen Natur und unserer Wildtiere verschrieben. Seit vielen Jahren stehen wir für Naturschutz durch Naturnutzung!

Vor diesem Hintergrund war und  ist es uns stets ein Anliegen, bestehende Missstände aufzuzeigen, die unserer Natur nachhaltig Schaden zufügen können.

So ist es uns ein Bedürfnis Flagge zu zeigen und uns vehement für einen "aktiven Naturschutz ohne grüne Politik" auszusprechen!

Gemeinsam können wir es schaffen dieses Ziel zu erreichen! Helfen Sie uns dabei! 

Rotary Magazin: Der Wald als Gegenstand gesellschaftlicher Auseinandersetzung

Unbenannt„Der Wald ist eines der Deutschen liebsten Kinder. Schauplatz von Sagen, Märchen und Emotionen seit Menschengedenken. Dazu Geburtsstätte des Begriffs der Nachhaltigkeit, schon vor gut 300 Jahren,“ so heißt es in der Januar Ausgabe des Rotary Magazins. Neben dem Streit um die richtige Waldnutzung, werden die Rollen von Förstern, Jägern und Naturschützern beschrieben. Zudem geben Philipp Freiherr von uns zu Guttenberg und Philipp Freiherr Heeremann von Zuydtwyck Einblicke in die aktuellen Diskussionen. Eine klare Leseempfehlung!

 

 

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