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    Portrait KerssenbrockLiebe Freunde der Jagd und Unterstützer der Stiftung natur+mensch,

    die Jägerstiftung natur+mensch plant neue Impulse und Aktivitäten. Es geht unverändert um die Zukunft der Jagd, deren Präsenz in der Öffentlichkeit und um die Akzeptanz in der Gesellschaft. Das ist ein Prozess, der langen Atem verlangt und der nur mit einer stetigen und starken Öffentlichkeitsarbeit gelingen kann. Grundlagen dafür müssen die bewährten, besonders aber auch neue Aktivitäten unserer Stiftung sein. Erster Schritt ist dieser Newsletter zu unseren Themen „Mensch, Natur und Jagd“.

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    Dossier NaturJagd Onlineversion

     

    Mit dem Förderpreis „Wildtierfreundliche Landwirtschaft“ der Stiftung natur+mensch ist in diesem Jahr der Landwirt Richard Schulte ausgezeichnet worden.

    Gestiftet wurde der mit 5.000 Euro dotierte Preis von der Agrarboden GmbH & Co. KG.

    „Alle Landnutzer sind dazu aufgefordert sich gemeinsam für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft einzusetzen“, führt Georg Graf Kerssenbrock-Praschma, Vorsitzender der Stiftung natur+mensch aus. „Auf dem Hof Schulte wird beispielhaft umgesetzt, wie wir die Wild- und Insektenbestände wieder erhöhen und gleichzeitig eine wirtschaftsfähige Landwirtschaft umsetzen können. Die Honorierung der Kombination aus Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd ist das Ziel des Förderpreises der Stiftung natur+mensch.“

    Bild Jury Homepage

    Von links nach rechts: Robert Vornholt, Georg Graf von Kerssenbrock-Praschma, Richard Schulte, Dr. Franz-Ferdinand Gröblinghoff 

    Der Geflügelhof Schulte wurde nach einem sechsmonatigen Bewerbungsverfahren von einer unabhängigen Fachjury aus zahlreichen bundesweiten Bewerbungen ausgewählt und Richard Schulte aufgrund seines innovativen Bewirtschaftungskonzeptes einstimmig als wildtierfreundlicher Landwirt ausgezeichnet.

    Der Geflügelhof Schulte liegt in Delbrück-Westenholz in Nordrhein-Westfalen. Ihm angeschlossen sind 200 ha Landwirtschaft und eine 500 KW Biogasanlage, die zum überwiegenden Teil mit hofeigenem Wirtschaftsdünger betrieben wird.

    Richard Schulte ist langjähriger passionierter Jäger und auch Jagdpächter. Mit viel Engagement und Leidenschaft betreut er eine Fläche von über 800 ha und widmet sich dabei insbesondere der wildtierfreundlichen Gestaltung seines klassischen Niederwildreviers.

    Eine groß angelegte Flurbereinigung im Delbrücker Land in den 1970er Jahren führte dazu, dass bis zu 10 ha große, rechteckige Schläge entstanden, die zwar die konventionelle Landwirtschaft vereinfachten, jedoch einen großer Nachteil für die Biodiversität darstellten. Durch die Rodung von Hecken und Ackerrandstreifen wurde den Wildtieren Deckung, Schutz und somit wichtiger Lebensraum entzogen.

    Reviergestaltung

    Um den Tieren bessere Lebensbedingungen zu bereiten ging Schulte dazu über an allen von ihm bewirtschafteten Ackerflächen aktiv Wildlebensräume zu schaffen, die für gute Brut- und Aufzuchtmöglichkeiten im Frühjahr und Sommer sowie für ausreichend Rückzugsmöglichkeiten im Winter sorgen. So sind über die Jahre mehr als 35 Flächen entstanden, niemals mehr als 5 ha Anbaufläche je Frucht, die oftmals noch in verschiedene wildtierfreundliche Maßnahmen unterteilt sind. So werden beispielsweise die größeren Schläge in mehrere Anbauflächen unterteilt, wobei besonderer Wert auf eine ausgewogene und vielfältige Fruchtfolgegestaltung gelegt wird. Hierbei wird grundsätzlich auf den Anbau von Ganzpflanzensilage, wie zum Beispiel Schnittroggen im Frühjahr oder als Zweitfrucht im Sommer verzichtet, um die Wildtiere in ihren Brut- und Setzzeiten nicht zu gefährden.

    Energie aus Wildpflanzen

    Landwirt Schulte betreibt wie schon erwähnt eine Biogasanlage, mit deren Abwärme vor allem die Geflügelställe und betrieblichen Gebäude geheizt und die Getreidetrocknung durchgeführt wird. Dazu baut er seit ein paar Jahren auf 17 ha Fläche „Energie aus Wildpflanzen“ an - eine innovative Alternative zu den sonst üblichen Maismonokulturen. Mehrjährige Mischungen aus über 20 verschiedenen aufeinander abgestimmten Wildpflanzen, bieten den Wildtieren nicht nur im Sommer und Winter Nahrung und Deckung, sondern werten mit ihrer farbenfrohen Blütenpracht das Landschaftsbild auf und bieten darüber hinaus diversen Insekten ein großes Nahrungsangebot und Lebensraum. Um die Gefahr von Mähverlusten bei Bodenbrütern und Jungtieren, wie beispielsweise Junghasen und Rehkitzen zu vermeiden, wird stets erst ab Ende Juli geerntet. Ökologische und ökonomische Ziele schließen sich bei dieser Art der Bewirtschaftung nicht aus. Die Zusammenstellung der Wildpflanzenmischungen aus hauptsächlich mehrjährigen Arten senkt den Bearbeitungsaufwand erheblich, wobei die Arten derart aufeinander abgestimmt sind, dass auf chemische Pflanzenschutzmittel weitgehend verzichtet werden kann. Darüber hinaus wird durch diese Dauerkultur die Humusbilanz verbessert, Bodenerosion vermieden und die Nährstoffauswaschung weitgehend minimiert. Somit stellt der Anbau und die Vergärung von Wildpflanzen in der Biogasanlage einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Biodiversität dar. Der erneute Aufwuchs bietet wiederum eine hervorragende Herbst- und Winterdeckung für das Niederwild.

    Bild Energie aus Wildpflanzen Homepage

    Blühstreifen

    Unter anderem zur Aufteilung von Ackerschlägen werden in Schultes Revier „Blühstreifen“, wiederum mit mehrjährigen und blütenreichen Pflanzenarten angelegt, die Insekten, Vögeln und Niederwild einen Lebensraum bieten. Die Saatsstärke wird dabei bewusst gering gewählt, um dem Wild möglichst viel Bewegungsraum zu ermöglichen. Alle 2-3 Jahre werden diese Blühstreifen, die jeweils ca. 12m breit sind, neu angesät, da die Flächen sonst vergrasen würden.

    Tipps aus der Praxis für die Praxis

    Topinambur

    Richard Schultes erste Bemühungen zur Verbesserung des Wildlebensraumes bestanden in der Anpflanzung von Topinambur. Die Knollen der Pflanze werden gerne von Rehwild, aber auch von Hase, Fasan und Kaninchen angenommen. Die Pflanze selber bietet Schutz und Lebensraum, ist dabei jedoch sehr windempfindlich und verunkrautet ohne Bodenbearbeitung sehr stark, bzw. bildet sich zurück. Derzeit werden noch 1,5 ha Topinambur angebaut, welcher jedoch durch den intensiven Arbeitsaufwand bei der Pflege dieser Kulturpflanze sukzessive durch Miscanthus ersetzt wird.

    Miscanthus

    Miscanthus, ein mehrjähriges Gras, das bis zu 3m hoch werden kann, eignet sich ab dem zweiten Standjahr sehr gut als Rückzugsmöglichkeit für Niederwild und wird dazu im Revier bevorzugt an dünnen Erlenhecken, die alleine wenig Deckung bieten, in einer Breite von 12 m angepflanzt. Die dadurch generierte „Heckenersatzfunktion“ sorgt ganzjährig für Lebensraum, wobei seine Eigenschaft „oben dicht und unten licht“ zu sein in besonderem Maße den dort schutzsuchenden Wildtieren zum Vorteil gereicht. Da Miscanthus erst im April geerntet wird und schneeunempfindlich ist, bietet er gerade in der Zeit von Januar bis März gute Deckung. In Ergänzung dessen machen die positiven Eigenschaften als Rohstoff- und Energielieferant das Gras auch für die Landwirtschaft interessant.

    Bejagung

    Ein besonderes Augenmerk wird in Schultes Revier auf die Prädatorenbejagung gelegt. Ein flächendeckend über das ganze Revier verteiltes Netz von Lebendfangfallen, wie Betonrohrfallen und Kastenfallen, stellt eine effiziente Reduzierung des Bestandes von Fuchs, Marder, Waschbär und Iltis sicher. Die gleichzeitige Bejagung von Rabenkrähe und Elster mit Büchse und Flinte, durch Lock- und Ansitzjagd komplettieren die jagdlichen Bemühungen zum Schutze des Niederwildes.

    Diese Arbeit zahlt sich aus! 2017 wurden im Revier 60 Kiebitz-Brutpaare gezählt. Des Weiteren findet man einen kleinen Bestand an Feldlerchen, Steinkäuzen und Rebhühnern. Hasen und Fasane sind noch überall anzutreffen. Eine Feldhasenzählung in den Revieren Delbrück 17 und 18 vom 4. November 2017 ergab die stattliche Anzahl von 741 Feldhasen.

     

     

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    Herzliche Grüße und Waidmannsheil

    Ihr 

    Unterschrift Kerssenbrock

    Georg Graf von Kerssenbrock-Praschma

    (Vorsitzender der Stiftung natur + mensch)

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